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Rheumatoide Arthritis - Krankheitsbild und Therapien

Rheumatoide Arthritis

Für fast eine Million Menschen in Deutschland bilden alltägliche Tätigkeiten wie das Anziehen unüberwindliche Hindernisse. Sie leiden unter rheumatoider Arthritis, der häufigsten und schwerwiegendsten Form entzündlicher rheumatischer Erkrankungen. Jährlich kommen ungefähr 36.000 Erkrankte neu hinzu, davon 900 Kinder. Meist beginnen die Beschwerden zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr, häufig aber auch in der Postmenopause ab dem 60. Lebensjahr. Frauen besitzen ein bis zu dreimal höheres Risiko, an rheumatoider Arthritis zu erkranken als Männer. Viele medizinische Laien gehen von der verharmlosenden Vorstellung aus, dass Rheuma nur ein „Zipperlein“ sei, unter dem vor allem ältere Menschen leiden und das man sich durch Kälte und Feuchtigkeit zuzieht. Es handelt sich jedoch um eine ernste Autoimmun-erkrankung, die bei 10 20 Prozent der Betroffenen zur Invalidität führt. Die Ursachen für die Entstehung der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass unter anderem erbliche Veranlagung sowie Infektionen eine Rolle spielen. Dabei kommt es zu einer Fehlreaktion des körpereigenen Immun-systems: Die Abwehrzellen, die gegen eingedrungene Krankheitserreger gerichtet sind, kämpfen plötzlich gegen körpereigenes Gewebe. Dies führt zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut, deren Wucherungen nach und nach den Gelenkknorpel zerstören.

Krankheitsverlauf und Symptome
Die rheumatoide Arthritis macht sich zunächst meist durch wenig eindeutige Anzeichen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bemerkbar. Die Erkrankung beginnt schleichend, schreitet dann jedoch innerhalb der ersten beiden Jahre sehr schnell voran. Im Frühstadium leiden Betroffene häufig unter Morgensteifigkeit der Hand- und Fingergelenke sowie Durchblutungsstörungen einzelner Finger. Im weiteren Verlauf kommen angeschwollene und überwärmte Finger- und Zehengelenke sowie Gelenkschmerzen hinzu. Umliegendes Bindegewebe, Knochen, Bänder und Sehnen können so in Mitleidenschaft gezogen werden, dass der Bewegungsapparat seine Stabilität verliert. Bei zwei Dritteln der Patienten bleiben auch große Gelenke, wie z. B. Knie, Hüften und Halswirbelsäule nicht von den entzündlichen Prozessen verschont. Bei einem schweren Verlauf der rheumatoiden Arthritis können auch innere Organe wie Herz oder Nieren geschädigt werden. Als charakteristisches Merkmal bilden sich bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen sogenannte Rheumaknoten, besonders im Bereiche der Ellenbogen und der Finger. Typisch für den Verlauf der Erkrankung ist ein Wechsel zwischen akuten, schmerzhaften Schüben und Phasen, in denen es dem Betroffenen wieder besser geht. Der Leidensdruck ist groß: Chronische Schmerzen, angeschwollene, deformierte, versteifte Gelenke und starke Bewegungs-einschränkungen belasten nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Hinzu kommt, das der Krankheitsverlauf bei Rheuma nicht vorhersehbar ist.

Frühzeitige Diagnose erforderlich
Je früher ein Rheumatologe aufgesucht, die Diagnose gestellt und mit einer geeigneten Behandlung begonnen wird, desto größer ist die Chance, den Betroffenen vor irreparablen Gelenkschäden zu bewahren. Ist die rheumatoide Arthritis einmal ausgebrochen, so wird sie in 90 Prozent der Fälle chronisch und kann zu starken Bewegungseinschränkungen bis hin zur Berufsunfähigkeit führen. Oberstes Therapieziel ist es daher, das Fortschreiten der Krankheit möglichst frühzeitig zu bremsen, die Gelenkfunktion langfristig zu erhalten, Folgeerkrankungen zu vermeiden und damit dem Betroffenen ein weitgehend normales und selbstständiges Leben zu ermöglichen. Die Therapie der rheumatoiden Arthritis sollte immer komplex erfolgen, sowohl mit geeigneten Medikamenten als auch durch Physiotherapie, Kranken-gymnastik, Ergotherapie sowie einer rheumafreundliche Ernährung. Nicht-medikamentöse Therapien kommen außerdem dem Wunsch der Betroffenen entgegen, selbst für ihre Gesundheit aktiv zu werden.

Nicht einfach selbst behandeln
Unvermeidlich für die meisten Rheumakranken ist eine medikamentöse Grundbehandlung. Die so genannte Basistherapie dient dazu, den Entzündungsprozess einzudämmen, sodass die Häufigkeit und Schwere der Rheumaschübe verringert und die Zerstörung der Gelenke verzögert oder sogar aufgehalten wird. Bei Patienten mit mildem Krankheitsverlauf reicht oftmals die Gabe eines einzelnen Basistherapeutikums aus, bei aggressiven Formen ist zumeist eine Kombination aus zwei bis drei Basis-therapeutika erforderlich. Neueste Therapieverfahren verwenden so genannte Biologicals, gentechnisch hergestellte Nachbildungen körpereigener Proteine. Sie blockieren die für die Entzündung und Gelenkzerstörung maßgeblichen Botenstoffe. Von einer unkritischen Selbstmedikation mit freiverkäuflichen schmerzstillenden Arzneimitteln warnen Experten eindringlich. Hierdurch wird der optimale Zeitpunkt für den Einsatz einer Basistherapie verpasst, denn Schmerzmittel wirken nicht auf den Krankheitsprozess ein und können somit die Gelenkzerstörung nicht aufhalten. Sie sollten nur nach Absprache mit dem Rheumatologen zur akuten Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Nichtmedikamentöse Therapien
Die nichtmedikamentösen Therapien sollten mit dem Arzt auf das individuelle Krankheitsstadium und eventuelle Zusatzerkrankungen abgestimmt und nur unter fachkundiger Leitung durchgeführt werden. Ein wesentliches Element der Rheuma-behandlung ist die Physiotherapie. Eine Kältetherapie (Umschläge, Kältekammer, Bewegung in Eiswasser etc.) beispielsweise kann die überwärmten Gelenke abkühlen und hierdurch die Entzündungserscheinungen sowie die Schmerzen lindern. Auch eine Elektrotherapie in Form von nieder- und mittelfrequenten Strahlen hat eine positive Wirkung. Um eine Verkürzung der Muskeln und Sehnen durch eine schmerzbedingte Schonhaltung zu vermeiden, benötigen Rheumapatienten ein langfristiges, intensives körperliches Training. Sie sollten daher regelmäßig gelenkschonende Ausdauersportarten (Walking, Wandern, Schwimmen, Tanzen, Radfahren in der Ebene, Reiten und Langlauf) ausüben. Dies gilt jedoch nicht während akuten Schubs. Im Rahmen einer Ergotherapie lernen die Patienten durch spezielle Bewegungsabläufe sowie den Einsatz von Hilfsmitteln, ihre Gelenke bei Aktivitäten des alltäglichen Lebens zu schonen. In der Krankengymnastik erlernen Betroffene gezielte Bewegungsübungen, mit denen beispielsweise die Muskeln gekräftigt und gedehnt werden.

Gezielte Ernährungstherapie
Zu den ergänzenden Maßnahmen gehört außerdem eine bewusst rheumafreundliche Ernährung. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre zeigen, dass eine gezielte Ernährungstherapie dazu beitragen kann, die rheumatischen Beschwerden zu lindern und das Risiko für Begleiterkrankungen zu senken. Rheumapatienten besitzen einen erhöhten Bedarf an essentiellen Fettsäuren, Vitaminen und Spurenelementen. Neben einer Ernährungsumstellung auf eine vollwertige, gesunde Mischkost ist daher eine ergänzende Einnahme von Mikronährstoffen sinnvoll.

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